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Wer war Severin von Noricum?

  • Autorenbild: Die Querleserin
    Die Querleserin
  • 8. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Severin von Noricum (um 410, vermutlich im heutigen Nordafrika oder Italien - 482, Favianis / heute Mautern bei Krems, Österreich), Missionar, "Apostel von Österreich"; als Heiliger bzw. Seliger verehrt; Gedenktag: 8. Jänner


Severin wird in der Ikonographie als Prediger oder als Pilger mit Hund, Buch oder Abtstab dargestellt, Er ist der Schutzheilige von Bayern, der Gefangenen und der Winzerinnen und Winzer. Außerdem ist er der zweite Schutzpatron des Bistums Linz. Severin ist vermutlich nach dem Heiligen Florian der bekannteste römische Heilige auf dem Areal des heutigen Landes Österreich, und er ist ein interessantes Beispiel dafür, dass es möglich ist, Autorität und Einfluss auszuüben, ohne gleichzeitig ein offizielles Amt zu haben.


Als Hauptquelle zu seinem Leben gilt die "Vita sancti Severeini" von Eugipius (gest. nach 533). Die Herkunft des Heiligen Severin ist unbekannt. Es wird vermutet, dass er aus einer adligen Familie stammte. Er soll ein Vertrauter des römischen Kaisers Majorian gewesen und nach dessen Hinrichtung 461 nach Oberägypten geflohen sein. Angeblich wurde er dort Christ und lebte dann einige Jahre bei den Einsiedlermönchen.


Belege gibt es dagegen für sein Wirken in der römische Provinz Ufernoricum, in welche Severerin um 467 kam. Ufernoricum umfasste zu dieser Zeit in etwa die meisten Teile des heutigen Landes Österreich. Von den germanischen Stämmen bereits stark bedroht, war Ufernoricum um 460 vom Römischen Reich aufgegeben und die dort stationierten Truppen abgezogen worden. Die zivile Bevölkerung, die in Ufernoricum verblieben war, sah sich daraufhin ständigen Bedrohungen dieser Stämme ausgesetzt und musste sich zudem mit Hunger und Chaos auseinandersetzen.


Das war die Lage, die Severin in Ufernoricum vorfand, als er dorthin kam. Er setzte sich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein, organisierte Kleider- und Lebensmittellieferungen und gründete Klöster. Er führte das Zehentwesen ein, mit dem er eine Umverteilung zugunsten der Armen erreichen wollte. Außerdem verhandelte er mit an Anführern bzw. Königen der germanischen Stämme. 469/470 erreichte er vom Alemannenkönig Gibuld die Freilassung römischer Kriegsgefangener. Als die Lage für ansässige Bevölkerung unzumutbar wurde, organisierte er ihre Evakuierung ins heutigen Italien und richtete in Lauriacum (heute Teil der Stadt Enns in Oberösterreich) eine Flüchtlingslager ein. Dabei war Severin weder Politiker noch Offizier noch Bischof, er war nicht einmal ein römischer Verwaltungsbeamter. Als er nach Ufernoricum kam, war und blieb er ein Einsiedlermönch.


Severin, der sich häufig in der Wachau aufhielt, starb in Favianis, das sein Hauptsitz gewesen sein dürfte und wo er ein Kloster gegründet hatte. Als dessen Mönche einige Jahre nach seinem Tod ins heutige Italien übersiedelten, nahmen sie seine Gebeine mit. Diese wurden dann in der Pfarrkirche von Frattamaggiore bei Neapel beigesetzt.


Quellen und Literatur

  • Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 18




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