Herzogin, Königin, Herrscherin, zuletzt Nonne - Wer war Johanna von Frankreich?
- Die Querleserin

- 4. Feb.
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Johanna von Frankreich / Jeanne de France (23. April 1464, Nogent-le-Roy bei Paris / heute Frankreich - um 1505, Bourges / heute Frankreich), Königin, Klostergründerin; Seligsprechung: 30. April 1768, Seligsprechung: 18. Juni 1742; Heiligsprechung: 28. Mai 1950; Gedenktag: 4. Februar
Vielleicht hat jemand vor einigen Jahren die Fernsehserie "Maximilian - Das Spiel von Macht und Liebe" gesehen und erinnert sich noch jene Szene, als der französische König Ludwig XI. mit seiner jüngeren Tochter Johanna, die im Film sehr hübsch ist, vor ihrer Heirat ein Gespräch führt, in dem er, ganz aufmerksamer Vater, seiner Tochter gesteht, welche Erwartungen er an sie hat und warum er sie einst auf dem Name Johanna taufen ließ. Es ist eine sehr liebevolle Szene. Nach dem, was überliefert ist, war Verhältnis zwischen Vater und Tochter aber ganz anders.
Dieser Johanna von Frankreich - sie war zwar Herzogin von Orléans, darf aber nicht mit der Jungfrau von Orléans verwechselt - wird nachgesagt, dass sie an Trauer und Entbehrung, aber im Ruf der Heiligkeit gestorben ist. Dass ihre Gebeine, die in dem von ihr gegründen Kloster in Bourges, während der Reformation verbrannt wurden, hatte gerade sie sicher nicht verdient. Aber wie bei der Heiligen Genoveva hat die Zerstörung der menschlichen Überreste nicht völlig die Erinnerung löschen können.
Johanna war einige Jahre Herzogin von Orléans und hätte Königin von Frankreich sein können, wenn ihr Ehemann nicht die Ehe hätte auflösen lassen. Sie wurde dann Herzogin von Berry und zuletzt Äbtissin von Bourges. Sie besaß mehrere glanzvolle Titel, aber die brachten ihr kein Glück. Offen bleibt die Frage, inwieweit sie selbst in der Lage war, sich glücklich zu machen. Ihr Vater und ihr Ehemann haben sie wohl wirklich nur benutzt, wobei der Ehemann vielleicht auch als Opfer der politischen Zustände im damaligen französischen Königreich gesehen werden kann.
Johanna war die jüngere Tochter des französischen Königs Ludwig (Louis) XI. (gest. 1483) aus seiner zweiten Ehe mit Charlotte von Savoyen (gest. 1483). Sie litt seit ihrer Kindheit an Rachitis und wurde von körperlichen Mängeln entstellt. So soll sie bucklig gewesen sein und einen Klumpfuß gehabt haben. Zudem wurde schon in ihrer Kindheit vermutet, dass sie unfruchtbar wäre. Doch gerade deshalb verlobte sie ihr Vater noch als Kind mit dem Herzog Ludwig (Louis) von Orléans (gest. 1515) und sorgte dafür, dass diese Ehe, sobald es möglich war, verbindlich geschlossen wurde. Johanna ist daher eine der wenigen Frauen, die bereits tatsächlich mit 12 Jahren verheiratet wurden, also wirklich bereits in dem Moment, als sie das vorgeschriebene Mindestheiratsalter für Mädchen gerade erreicht hatte. Ihr Bräutigam war mit 14 Jahren ebenfalls gerade erst heiratsfähig geworden. Die sehr frühe Heirat hatte politische Gründe. Ludwig von Orléans war nach Johannas jüngerem Bruder Charles der nächste Anwärter auf den französischen Thron. Gewöhnlich wird davon ausgegangen, dass Ludwig XI. mit dieser Ehe nicht nur eine für den Heiratsmarkt "unbrauchbare" Tochter loswerden wollte, sondern dass er auf die Kinderlosigkeit des Paares und das Aussterben einer als Konkurrenz empfundenen Nebenlinie spekulierte. (Es wird in der Geschichtsforschung häufig übersehen, dass es sicher nicht nur am Lösegeld lag, dass Charles von Orléans (gest. ), der Vater von Johannas Ehemann, nach der Schlacht von Azincourt (1415) dreißig Jahre in englischer Gefangenschaft verbringen musste, sondern auch, weil er nach dem "salischen Recht" eigentlich nach Charles VII. (gest. 1461), dem Vater von Ludwig XI., der nächste rechtmäßige Thronanwärter auf die französische Krone war und damit eine Gefährdung für die im Vertrag von Troyes (20. Mai 1420) beschlossenen Nachfolge des englischen König Henry V. (gest. 1422).
Die Ehe von Johanna und Ludwig von Orleáns blieb tatsächlich ohne Nachkommen. Als dieser 1498 als Ludwig XII. dann tatsächlich den französischen Thron bestieg, wurde Johanna Königin von Frankreich. Doch mit der Begründung, dass ihre Ehe erzwungen und zudem nie vollzogen worden war, versuchte Ludwig XII. eine Annullierung von dieser. Dabei dürften auch pragmatische Gründe eine Rolle gespielt haben. Ludwigs Vorgänger Charles VIII. war mit Anne von Bretagne (gest. 1514) verheiratet gewesen, und der Vertrag sah vor, dass beim Fehlen von Nachkommen der neue französische König die Witwe seines Vorgängers heiraten sollte, um so die Bretagne bei Frankreich zu halten. Auch Papst Alexander VI. (ursprünglich Rodrigo Borgia, gest. 1503, Papst 1492-1503) hatte persönliche und politische Gründe, Ludwig XII. als Verbündeten zu haben. Johanna leistete Widerstand, letztlich erfolglos. Nach einem für sie sehr demütigenden Prozess wurde die Ehe tatsächlich annulliert.
Johanna verlor ihre Titel als Königin von Frankreich und Herzogin von Orléans. Sie wurde dafür mit dem Herzogtum Berry abgefunden und machte dann das wohl Beste aus ihrer Lage. Sie übernahm die Herrschaft über das Herzogum Berry und nahm ihren Sitz in der Stadt Bourges. Als Herzogin von Berry bewährte sie sich als umsichtige, aber auch liebevolle Landesfürstin, die sich vor allem um Arme und Kranke annahm.
Um 1500 gründete Johanna in Bourges für die Armen und Kranken einen eigenen Frauenorden, den (französischen) Orden von der Verkündigung (des Herrn) an die selige Jungfrau Maria (Annunziatinnen). Um diesen von den italienischen Annunziatinnen zu unterscheiden, werden diese auch rote Annunziatinnen genannt. Johanna verfasste für diesen Orden selbst die Regel und erhielt bereits 1501 vom Papst die Bestätigung dieser.
1503 legte Johanna selbst die Gelübde ab und nahm den Ordensnamen Gabriele Maria an. Während der wenigen Zeit, die sie noch zu Leben hatte, unterzog sie sich schwersten Kasteiungen. Wenig später starb sie mit ca. 40 Jahren im Ruf der Heiligkeit. 2010 gab es noch sieben Klöster der roten Annuntiantinnen in Frankreich und davon eines in Belgien. Heute ist Johanna die Schutzpatronin von Bourges.
Quellen und Literatur
Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 45
Joachim Schäfer: Artikel Jeanne de Valois. In: Ökumenisches Heiligenlexikon, Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Johanna_von_Valois.htm, abgerufen am 23. Jänner 2026
Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Jeanne_de_Valois, abgerufen am 23. Jänner 2026



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