Die Schutzheilige von Paris -Wer war Genoveva von Paris?
- Die Querleserin

- 3. Jan.
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Genoveva von Paris (um 422, Nanterre / heute Frankreich -3. Jänner, vermutlich 502, Paris / heute Frankreich); Jungfrau, Schutzheilige der Stadt Paris; als Heilige bzw. Selige verehrt; Gedenktag: 3. Jänner (Todestag)
Bauernregeln sind Sprüche mit Tradition, die auf jahrhundertelangen Beobachtungen der Natur basieren und Vorhersagen über das Wetter und landwirtschaftliche Erträge ermöglichen. Zum Gedenktag der Heiligen Genoveva gibt es so eine alte Bauernregel: "Bringt Genoveva uns Sturm und Wind, so ist uns Waltraud oft gelind." Das nimmt Bezug darauf, dass der Gedenktag der Heiligen Genoveva in den tiefsten Mittwinter fällt, wo ein Schneesturm zumindest früher keine Seltenheit war.
Doch wer war die Heilige, deren Tag immerhin für die ländliche Bevölkerung Bedeutung besaß?
Im Jahr 451 ist der Ort Paris, die spätere Hauptstadt von Frankreich, in höchster Gefahr. Hunnenkönig Attila ist mit seinem Heer im Anmarsch. Die damalige Bevölkerung von Paris ist in Panik, sehr verständlich. Die Stadt zu verteidigen - offensichtlich können sie sich nicht vorstellen, dass das Sinn macht oder gar möglich ist. Geplant ist die Flucht nach Orléans. Dann mischt sich plötzlich eine Frau ein: Genoveva. In einer flammenden Predigt fordert sie die Männer auf, die Waffen zu ergreifen. Kein Erfolg, sie hält eine weitere Predigt. Die Männer empfinden sie als lästig, schließlich kommen einige auf die Idee, diese störenden Person zu steinigen oder in den Fluss, die Seine, zu werfen. Da wendet sich Genoveva an die Frauen der Stadt und ersucht sie, mit ihr zu beten. Die Frauen stimmen zu, gemeinsam beten sie mit Genoveva. Das Gebet wirkt: die Hunnen machen einen Bogen um Paris und ziehen gleich direkt nach Orléans. Etwas später kommt es dann zur Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (bei Châlons-en-Champagne, vermutlich am 20. Juni 451), aber das ist eine andere Geschichte. Die Hunnen ziehen sich zurück.
Zum Zeitpunkt dieser Geschichte ist Genoveva etwa dreißig Jahre, eine alleinstehende Frau, die sich mit etwa 15 Jahren Gott geweiht hatte. Nach dem Tod ihrer Eltern war sie zu einer Tante nach Paris übersiedelt.
Später soll Genoveva der Legende nach nochmals Paris gerettet haben. Als die spätere Hauptstadt von Frankreich von den Franken belagert wurde und die Bevölkerung hungerte, erreichte sie durch ihr Gebet bzw. durch ihren persönlichen Einsatz (die Legenden divergieren da), dass Schiffe, die mit Lebensmittel beladen waren, landen konnten. Außerdem ließ sie über dem Grab des Heiligen Dionysius eine Kirche errichten, die bis heute erhalten ist.
Genoveva wurde zunächst in einer Kirche beigesetzt, die ihr geweiht war und später das Zentrum der Abtei Sainte-Geneviève bildete. Diese Kirche wurde 1764 erneuert. Während der Französischen Revolution wurde diese Kirche 1791 profaniert und von der Konstituierenden Versammlung genutzt. Aus ihr entstand dann das Panthéon, die Ruhmeshalle in Paris. Genovevas Gebeine wurden 1793 verbrannt und in die Seine geworfen. Ihre Verehrung als Heilige konnte dadurch nicht ausgelöscht werden. Später wurde ihr in der Kirche Saint-Étienne-du-Mont am Place Sainte-Geneviève in Paris ein neues Grabmal errichtet.
In der Ikonographie wird Genoveva gewöhnlich mit den Attributen Schlüssel und Buch dargestellt. Das Buch verweist auf ihre Rolle als selbständige Frau, der Schlüssel symbolisiert die Schlüssel der Stadt Paris, deren Schutzheilige sie ist. Außerdem ist sie eine Schutzpatronin der Frauen. Der Legende nach soll sie ihre Mutter Gerontia, nachdem diese erblindet war, wieder sehend gemacht haben. Daher ist sie auch eine Schutzpatronin gegen Augenleiden.
Quelle / Literatur
Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 13
Joachim Schäfer: Artikel Genoveva von Paris. In: Ökumenisches Heiligenlexikon, Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienG/Genoveva.htm, abgerufen am 1. Jänner 2026
Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Genoveva_von_Paris, abgerufen am 1. Jänner 2026.



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