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Die Gründerin der Jesuitinnen - Wer war Mary Ward?

  • Autorenbild: Die Querleserin
    Die Querleserin
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Mary oder Maria Ward, ursprünglich Johanna Ward (um 1585, Mulwith bei Newby, Yorkshire, England / heute Großbritannien - 30. Jänner 1645, York, England / heute Großbritannien), Gründerin der Mary-Ward-Schwestern (bis 2014 "Englische Fräuleins"); als Selige bzw. Heilige verehrt; Gedenktag: 30. Jänner


Bei ihrer späten Firmung in Saint-Omer (damals Spanische Niederlande, heute Frankreich) nahm Johanna Ward den Namen Maria bzw. Mary an, Wenig später gründete sie einen neuen Orden, die "Institutum Beatae Mariae Virginis (IBMV)", die heutige "Congregatio Jesu (CJ)". Seine Aufgabe war die Frauenbildung und klausurlose Seelsorgetätigkeit von Frauen. Doch es dauerte fast 400 Jahre bis dies vom Heiligen Stuhl vollständig anerkannt wurde. Doch wer war diese Frau die versuchte, neue Wege zu beschreiten?


Mary Ward kam aus einer katholische Familie des englischen Landadels und verbrachte ihre Kindheit und Jugend im englischen Königreich zur "Zeit der Katholikenverfolgung" unter Königin Elizabeth I. (gest. 1603). Um dieser zu entkommen, war ihre Familie mehrmals genötigt, ihren Wohnsitz zu wechseln. Mary Ward hatte mehrere Verwandte, die für ihren katholischen Glauben hingerichtet wurden. Die Großmutter mütterlicherseits, in deren Haus sie ihre Kindheit verbrachte, hatte für ihr Einstehen für den katholischen Religion viele Jahre im Kerker verbracht. Diese Großmutter war im Wesentlichen für Mary Wards Erziehung zuständig, und bei ihr dürfte sie Lesen, Schreiben und zumindest ein wenig Latein gelernt haben. Mary Ward erhielt als junges Mädchen mehrere Heiratsanträge, die sie alle ablehnte, da sie mit etwa 15 Jahren beschlossen hatte, Nonne zu werden. Letztlich konnte sie ihren Vater von diesem Wunsch überzeugen.


Als nach dem Tod von Königin Elizabeth I. der schottische König Jakob I. (gest. 1625) dieser nachfolgte, verbesserte sich die Lage für Katholiken im englischen Königreich keineswegs. 1605 kam es zur "Pulververschwörung", bei der eine Gruppe fanatischer und von der Politik des Königs enttäuschte Katholiken unter der Führung von Guy Fawkes (gest. 1606) den König, seine Familie und das gesamte Parlament in die Luft sprengen wollten. Nach Aufdeckung dieser Verschwörung wurden nicht nur die Beteiligten verfolgt, sondern alle Katholiken im englischen Königreich zu einem antipäpstlichen Treueid gezwungen und von Staatsämtern ausgeschlossen. Nur wenig später konnte Mary Ward mit einem falschen Pass auf den Kontinent fliehen, wo sie zunächst als Laienschwester bei den wallonischen Klarissen in Saint-Omer unterkam. Wenig später verließ sie diese, um 1608/09 ein eigenes Klarissenkloster für Engländerinnen nach der Ordensregel der Heiligen Klara von Assisi zu gründen. Für dieses kaufte sie aus ihrem eigenen Vermögen ein Grundstück in Gravelingen.


Nach langen Meditationen kam Mary Ward im Mai 1609 zu der Erkenntnis, dass das, was ihr tatsächlich vorschwebte (Bildung und Seelsorge) und was sie als ihren göttlichen Auftrag ansah, nicht mit einem bestehenden Orden zu verwirklichen war, auch wenn ihr in diesem ein gewisser Handlungsspielraum zugebilligt wurde. Sie entschied sich zur Gründung einer neuen, eigenständigen Einrichtung (für Frauen). Den Zeitumständen gemäß konnte diese Gründung nur als klosterähnliche Einrichtung bestehen.


Als Mitte September 1609 das Klostergebäude in Gravelingen fertig gestellt war und die ersten Klarissen dorthin übersiedelten, begann Mary Ward zu prüfen, welche Struktur und welche klösterliche Regel für ihre neue eigenständige Einrichtung passen würden. Auf Anraten ihres Beichtvaters reiste sie für einige Monate nochmals ins englische Königreich. Um nicht aufzufallen, gab sie sich mit seiner Zustimmung als Karmelitin aus. Als solche kümmerte sie sich in den Gefängnissen um Katholikinnen und Katholiken, versorgte Kranke und verschaffte diesen die Möglichkeit zum Empfang der Sakramente. Noch in England fand sie einige junge Adlige, die sich ihr anschlossen, darunter auch eine ihrer Schwestern und eine Verwandte. Nachdem sie mit diesen zu Anfang 1610 nach Saint-Omer zurückgekehrt war, wurde mit dem Unterrichten von jungen Mädchen, die aus der englischen Heimat waren, begonnen.


Mary Wards Vorbild waren inzwischen die Jesuiten. Wie diese wollte sie mit ihrem Orden Bildungsarbeit leisten und der Seelsorge tätig sein. Das kam bei der Bevölkerung gut an, aber nicht beim Klerus. Bildungsarbeit - warum nicht? Nonnen als Seelsorgerinnen - nun ja? Aber Nonnen in Zivilkleidung, Nonnen, die in keiner Klausur lebten - das überforderte den Klerus schon damals, Es sollte über vierhundert Jahre dauern, dass Frauen als Seelsorgerinnen und dazu noch ohne Klausur mehr oder weniger eine gewisse Akzeptanz erfahren sollten.


Während die Bildungsarbeit der "Englischen Fräuleins, wie Mary Wards Orden bereits in Saint-Omer bei der Bevölkerung genannt wurde, durchaus auf Akzeptanz (auch von Seiten der Päpste) stieß und Mary Ward im Einvernehmen mit den zuständigen Obrigkeiten in einigen anderen europäischen Städten Bildungsinstitute einrichten konnte, wurde ihr von Seiten des Heiligen Stuhls die Anerkennung für ihren Orden verweigert. 1631 wurden die "Englischen Fräuleins" vom Papst dann ausdrücklich verboten, und Mary Ward unter dem Verdacht der Häresie für fünf Jahre in Rom festgehalten und von der Inquisition überwacht. Neun Wochen wurde sie sogar inhaftiert.

Mary Wards Werk bestand weiter und seine Niederlassungen vermehrten sich. 1703 wurde die "Englischen Fräuleins" immerhin als Orden vom Heiligen Stuhl anerkannt, und 1978 wurden sie dann doch noch der jesuitischen Regel unterstellt. So wurde spät, aber letztlich doch das verwirklicht, was Mary Ward ursprünglich gewollt hatte. Für sie selbst wurde ein Verfahren zur Seligsprechung eingeleitet, 2009 erhielt Mary Ward den Ehrentitel einer "Ehrwürdigen Dienerin Gottes".


Quellen und Literatur

  • Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 40


  • Joachim Schäfer: Artikel Maria Ward. In: Ökumenisches Heiligenlexikon, Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Mary_Maria_Ward.htm, abgerufen am 18. Jänner 2026

  • Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Ward, abgerufen am 18. Jänner 2026


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