Unruhestifter des Ostens - Wer war Hilarius von Poitiers?
- Die Querleserin

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Hilarius von Poitiers (um 315, Pictavium / heute Poitiers, Frankreich - Anfang Jänner 367 oder 368, Pictavium / heute Poitiers, Frankreich), Bischof; als Seliger und Heiliger verehrt; Gedenktag: 13. Jänner
Hilarius von Poitiers, der 1851 von Papst Pius IX. (ursprünglich Giovanni Maria Mastai Ferretti, gest. 1878) zum Kirchenlehrer ernannt wurde, ist unter denen, die als Heilige verehrt werden, eine eher ambivalente Persönlichkeit. In der Ikonographie wird er gewöhnlich als Bischof mit einem Kind dargestellt. Er ist der Schutzheilige für schwächliche Kinder und außerdem von Poitiers. Ihm wird nachgesagt, dass seine beharrliche Unerschrockenheit selbst den römischen Kaiser zur Verzweiflung getrieben haben soll, der ihn schließlich als Unruhestifter des Ostens bezeichnete. Anderseits war er auch nicht zimperlich (verbal zumindest), wenn es galt, gegen die vorzugehen, die er für seine Gegner hielt.
Hilarius ist der erste namentlich bekannte Bischof von Poitiers. Dieser Ort hatte zu seinen Lebzeiten einige Bedeutung als militärischer Stützpunkt. Über die Herkunft des Hilarius ist nichts bekannt, doch wird vermutet, dass er aus der städtischen Oberschicht war. Immerhin würde das seine rhetorische und philosophisch-literarische Bildung, die er besaß, erklären. Vermutlich wurde er erst als Erwachsener getauft und war verheiratet. Die in der katholischen Kirche als Heilige verehrte Abra von Poitiers (gest. 360) gilt als seine Tochter. Ehe er Bischof wurde, war Hilarius ein römischer Verwaltungsbeamter gewesen. Als Bischof von Poitiers taufte er den Heiligen Martin von Tours (gest. 397). Fridolin von Säckingen, ein Heiliger des Mittelalters, der zunächst in Poitiers wirkte, erteilte ihm die Heiligsprechung, indem er seine Gebeine "erheben" und eine Kirche, die ihm geweiht wurde erbauen ließ. Zuvor hatte der bereits verstorbene Hilarius ein Wunder bewirkt und ein Kind, das ohne Taufe gestorben war, ins Leben zurück geholt, sodass sodass diese nachgeholt werden konnte.
Hilarius von Poitiers lebte im 4. Jahrhundert. Das war eine Zeit, als es in der christlichen Theologie eine ganze Reihe Meinungsverschiedenheiten gab. Auf uns mögen sie heute überspitzt wirken, aber damals verursachten sie ernsthafte theologische Konflikte. Eine damals wichtige Frage war, was die Heilige Dreifaltigkeit denn eigentlich meint. Die Sicht, die letztlich für die Richtige erklärt wurde und bis heute als gültig angesehen wird, geht auf den Heiligen und Theologen Athanasius (gest. 373) zurück. Im 4. Jahrhundert war allerdings die Theorie des Priesters Arius (gest. nach 327) besonders beliebt, wonach Jesus als Sohn Gottes "geschaffen" und Gott untergeordnet, also "subordiniert" war. Sie war zwar auf dem Konzil von Nicäa (325) einmütig als Irrlehre verurteilt worden, hatte aber auch danach noch eine einflussreiche Anhängerschaft, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich leichter mit Aspekten der heidnischen Religionen und Kulten verbinden ließ. Zudem gab es noch weitere Ansichten und Theorien, welche mit dem sogenannten "Bekenntnis von Nicäa" nicht vereinbar schienen.
Hilarius gehörte zu den Gegnern der Lehre des Arius. (Seine postume Karriere als "Heiliger" wäre ansonsten wohl kaum möglich gewesen.) Wir wissen heute, wie diese ganzen theologischen Konflikte damals geendet haben. (Ob das gutzuheißen oder zu verurteilen, ist eine andere Frage.) Im 4. Jahrhundert war allerdings keineswegs vorhersehbar, wie alles letztlich enden würde. Insofern zeugt es von Mut, dass Hilarius als Bischof in diesem Streit eine klare Position bezog.
Das war nicht ungefährlich, und dafür, dass er die Ansicht des Athanasius vertrat, wurde er 356 vom römischen Kaiser Constantius II. (gest. 361) nach Kleinasien bzw. nach Phrygien verbannt. Der Kaiser war ein Befürworter des Christentums. Aber er wollte auch seinen gottgleichen Status behalten, und er wollte vor allem Ruhe in seinem Reich.
Hilarius wusste seine Verbannung vorteilhaft zu nützen. Er hatte die Möglichkeit, sich intensiv mit der östlichen Theologie zu beschäftigen, und das tat er auch. So erwarb er sich Rüstzeug, dass es ihm später ermöglichte, bedeutende Texte über die Heilige Dreifaltigkeit zu verfassen, um den Bischöfen im weströmischen Reich klar zu machen, warum es in dem Streit eigentlich ging. Gleichzeitig entwickelte er sich so zu einem Mittler zwischen östlicher und westlicher Theologie. (Das erklärt auch sein hohes Ansehen als Heiliger in der "Ostkirche".)
Eine solche Entwicklung hatte der Kaiser sicher nicht gewollt, und die arianischen Bischöfen, die den Kaiser unterstützten, waren darüber wohl auch nicht glücklich. Dagegen erweckte er das Interesse der sogenannten "Semi-Arianer". Im Unterschied zu den "arianischen Christen " waren diese der Meinung, dass Gott Vater und Sohn wesensähnlich, aber nicht wesensgleich wären. Von Hilarius erwarteten sie sich Unterstützung für ihre Meinung, und daher luden sie ihn 359 zum Konzil von Seleukia ein. Mit seiner scharfen Kritik an ihrer Sichtweise hatten sie nicht gerechnet. Offensichtlich waren sie nicht nur enttäuscht über ihn, sondern auch wütend. Noch vor Ende des Konzils wurde er von ihnen hinausgeworfen. Hilarius ließ sich nicht entmutigen. In einem Brief an den Kaiser bot er an, seinen Glauben öffentlich zu verteidigen. Der Kaiser hob daraufhin seine Verbannung auf. Offensichtlich war er inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, dass Hilarius in Gallien weniger Unheil anrichten würde.
Hilarius hatte es nicht eilig, wieder nach Poitiers zurückzukehren. Es hatte ihm auch niemand ausdrücklich befohlen, auf dem schnellsten Weg und so rasch wie möglich dorthin zu reisen. Also nahm sich Hilarius Zeit, wählte eine längere Reiseroute über Illyrien und Italien und nutzte diese um ausgiebig, überall, wo er hinkam, gegen den Arianismus zu predigen. Als er endlich wieder in Poitiers war, wurde er dort mit großer Begeisterung empfangen, zumindest von seiner Anhängerschaft.
361 fand in Paris ein weiteres Konzil statt, nun unter seiner Leitung. Auf diesem konnte er die Exkommunikation jener Bischöfe im heutigen Frankreich durchsetzen, die in seinen Augen Arianer waren.
Quellen und Literatur
Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 23
Joachim Schäfer: Artikel Hilarius von Poitiers. In: Ökumenisches Heiligenlexikon, Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hilarius_von_Poitiers.htm, abgerufen am 1. Jänner 2026
Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Hilarius_von_Poitiers, abgerufen am 1. Jänner 2026


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