Die Schutzpatronin von Kärnten - Wer war Hemma von Gurk?
- Die Querleserin

- 27. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Hemma von Gurk (um 995, vermutlich in Zeltschach / heute Teil von Friesach, Österreich - um vermutlich 1045, an einem 29. Juni, in ihrem Kloster zu Gurk / Österreich); Stifterin; Seligsprechung: 21. November 1287; Heiligsprechung: 5. Jänner 1938; Gedenktag: 27. Juni
Hemma, die nach ihrer Klostergründung zu Gurk benannt ist, wird in der Ikonographie gewöhnlich als adlige Dame mit einem zweitürmigen Kirchenmodell dargestellt. Sie ist eine der Schutzheiligen bei Kinderwunsch und gegen Augenleiden und inzwischen auch die wichtigste Schutzpatronin des österreichischen Bundeslandes Kärnten und damit die einzige Frau unter den "Hauptschutzheiligen" der österreichischen Bundesländer. Ihr Gedenktag ist der 27. Juni, den sie sich mit Daniel von Schönau und Cyrill von Alexandrien teilt.
Nach ihrem Tod wurde sie noch im 12. Jahrhundert von den Salzburger Fürstbischöfen und deren Gegnern landespolitisch vereinnahmt, um die politische Machtposition des Salzburger Erzbistums zu stärken bzw. zu schwächen. Ihre Verehrung als Selige wurde bereits um 1287 kirchlich anerkannt. Ein erster Heiligsprechungsprozess für sie wurde 1466 eingeleitet, aber erst nach mehreren Einstellungen und Wiederaufnahmen am 5. Januar 1938 erfolgreich abgeschlossen. Aber das ist nicht mehr ihre eigentliche Lebensgeschichte, deren Wahrheitsgehalt allerdings durch diese Auseinandersetzungen überschattet ist.
Die historische Hemma von Gurk, die mit Kaiser Kaiser Heinrich II. (um 973/978-1024) verwandt gewesen sein dürfte, entstammte der Grafenfamilie von Friesach-Zeltschach und lebte in bewegter Zeit. Sie war die Erbin von bedeutenden und äußerst ertragreichen Landbesitz in Teilen der heutigen Länder Österreich (Kärnten), und Slowenien. Mit ca. 15 Jahren heiratete sie den Grafen Wilhelm (II.) von Friesach, mit dem sie zwei Söhne gehabt haben soll. Ehemann und Söhne wurden ermordet, die Söhne, denen sie die Leitung ihrer Silber- und Eisenbergwerke anvertraut hatte, der Legende nach während eines Aufstands der dort Beschäftigten. Ihr Ehemann wurde 1036 von einem politischen Konkurrenten. getötet.
Die historische Hemma war etwa 41 Jahre, als sie Witwe wurde. Da ihre Ehe kinderlos geblieben war oder ihre Kinder zu dieser Zeit nicht mehr am Leben waren, erbte sie nach dem Tod des Ehemanns seine Besitzungen und wurde so Landesherrin über weitere Teile des damaligen Herzogtums Kärnten, das nicht mit dem heutigen gleichnamigen Bundesland verwechselt werden darf. Das Herzogtum umfasste zu dieser Zeit große Teile der heutigen Steiermark und reichte vom heutigen Slowenien ins heutige Italien. Als Witwe war Hemma, die keine weitere Ehe mehr einging, eine der reichsten Frauen ihrer Zeit., und sie verwaltete ihren Besitz selbst. Nach den Heiligenlegenden suchte und fand sie Trost im Glauben. In den Legenden, die sich um sie bildeten bzw. um sie gebildet wurden, wird immer wieder ihre Frömmigkeit und ihr Gerechtigkeitssinn hervorgehoben.
Hemma von Gurk investierte ihr Vermögen jedenfalls in kirchliche Stiftungen, wovon vor allem ihre Untertanen profitierten, da sie so die Wirtschaft in ihren Besitzungen ausbaute und förderte. (Das wird heute, wenn es um kirchlichen Stiftungen im Mittelalter geht, gerne übersehen.) Hemma ließ mindestens 14 Kirchen erbauen. Diese waren nicht nur Seelsorgeeinrichtungen, sondern damals auch Stützen für Handel, Armenfürsorge und Rechtsprechung der niederen Gerichtsbarkeit. Zudem besaßen sie große Speicher, in denen haltbare Nahrungsmittel für Hungersnöte gelagert werden konnten.
Außerdem gründete Hemma ein Benediktinerinnenkloster zu Gurk, dessen Klosterkirche um 1043 geweiht wurde. Das Kloster wurde mit Benediktinerinnen aus dem Salzburger Frauenkloster am Nonnberg besiedelt. Als erste Äbtissin wurde eine Dame mit Namen Ida eingesetzt. Hemma dürfte in dieses Kloster, in dem sie ihre letzten Lebenstage verbrachte, wohl auch selbst eingetreten sein. In der Klosterkirche, heute der Dom in Gurk, fand sie ihre letzte Ruhestätte.
Hemma von Gurk gilt außerdem als Stifterin des noch heute besonders bedeutenden Benediktinerklosters zu Admont, dessen Gründung unter dem Fürsterzbischof Gebhard von Salzburg (gest. um 1088) im Jahr 1074 als Doppelkloster sie aber nicht mehr erlebte. Dieser war es auch, der noch vor 1070 ihr Frauenkloster zu Gurk wieder aufheben ließ und dessen Vermögen und Klosterbesitz dann zur Gründung eines Bischofssitzes in Gurk verwendete. Dieses Bistum und Hochstift Gurk war im Mittelalter und in der Neuzeit ein (allerdings sehr selbständiges) Suffragan-Bistum des Erzbistums Salzburg. Die heutige Diözese Gurk-Klagenfurt, die aus ihm hervorging, gilt noch immer als die reichste Diözese im heutigen Österreich.
Um Hemma von Gurk gibt bis heute ein reiches Brauchtum. Im Gurker Dom und im Stift Admont wird an ihrem Gedenktag, dem 27. Juni, der Augensegen gespendet. Angeblich soll das Durchkriechen unter ihrem Sarkophag in der Krypta von Gurk bei Kinderwunsch helfen. Im Gurker Dom gibt es bis heute außerdem den "Hemma-Stein". Auf ihm soll Hemma von Gurk der Legende nach gesessen haben, während sie den Bau ihres Klosters überwachte. Noch heute soll das Sitzen auf diesem Stein bei der Erfüllung von Wünschen helfen.
Hemma von Gurk zählt heute außerdem zu den "völkerverbindenden" Heiligen, denn sie wird sowohl von der österreichischen, als auch von der slowenischen katholischen Bevölkerung verehrt. Die letzte Wiederaufnahme von Hemmas Heiligensprechungsprozess wurde nicht zufällig vom Bischof von Ljubljana bzw. Laibach angeregt. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts sind regelmäßige Wallfahrten aus der Krain (heute Slowenien) überliefert, die von dort über den Loiblpass nach Gurk führten. Diese "Krainer Wallfahrt" war noch nach Ende des Habsburgerreiches für die 1930er-Jahre belegt. 2004 wurde auf der früheren Wallfahrtsroute der Hemma-Pilgerweg eröffnet.
Quellen und Literatur
Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 189
Internet-Einträge
alle abgerufen am 6. Juni 2026
Österreichwiki, Link: https://oesterreichwiki.org/wiki/Heilige_Hemma, abgerufen am 6. Juni 2026
Wikipedia, Link: https://oesterreichwiki.org/wiki/Heilige_Hemma, abgerufen am 6. Juni 2026
Joachim Schäfer: Artikel Hemma von Gurk. In: Ökumenischen Heiligenlexikon, https://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hemma_von_Gurk.htm
Heilige Hemma von Gurk, Website der katholischen Kirche Kärnten, Link: Wehttps://www.kath-kirche-kaernten.at/themen/detail/C100/heilige_hemma_von_gurk2


Kommentare