top of page

Wer war Margit von Ungarn?

  • Autorenbild: Die Querleserin
    Die Querleserin
  • vor 19 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Margit von Ungarn, auch Margarete von Ungarn (um 1242, auf Burg Klissza / heute Klis bei Split, Kroatien - 18. Jänner 1270, auf der Haseninsel / heute Margareteninsel in Budapest / Ungarn), Dominikanerin; Seligsprechung: 28. Juli 1789, Heiligsprechung: 19. November 1943; Gedenktag: 18. Jänner


In der Ikonographie wird die Heilige Margit gewöhnlich als Nonne dargestellt. Ihr Attribut ist eine weiße Lilie, zu ihren Füßen liegt eine Krone. Die Lilie symbolisiert ihre Keuschheit und Reinheit, die Krone zu Füßen verweist auf Margits königliche Herkunft, aber auch darauf, dass sie auf ein standesgemäßes Leben, das ihr, zumindest nach den Normen ihrer Zeit, wegen ihrer Herkunft gebührt hätte, selbst verzichtete. Aber hatte sie denn eine Wahl?


Margit war eine der Töchter des ungarischen Königs Béla IV. (gest. 1270) aus dessen Ehe mit Maria Laskaris von Nicäa (gest. 1270). Väterlicherseits entstammte sie der Dynastie der Arpaden, mütterlicherseits war sie die Enkelin eines byzantinischen Kaisers. Eine der Schwestern ihres Vaters war die Heilige Elisabeth von Thüringen (gest. 1231). Eine ihrer Schwestern, Kinga (Kunigunde) von Polen (gest. 1292), wird in der römisch-katholischen Kirche ebenfalls als Heilige verehrt, eine andere Schwester, Jolenta Helena (Jolan, Jolanthe) von Polen (gest. 1298), als Selige.


Margit wurde nach dem Ende des Mongolensturms (1241) im heutigen Kroatien geboren, wohin ihre schwangere Mutter mit dem Vater und der Familie vor den Mongolen geflohen waren. Die Eltern gelobten ihr neugeborene Kind Gott zu weihen, wenn die Feinde geschlagen würden. Die Mongolen zogen tatsächlich ab. Wir wissen heute, dass interne Streitigkeit innerhalb ihrer Herrscherfamilie der Grund für diesen plötzlichen Abzug waren, aber für die ungarische Bevölkerung (und nicht nur für die) muss der "unerklärliche" Abzug wie ein Wunder gewirkt haben. Margits Eltern hielten ihr Versprechen. Daher wurde Margit bereits mit vier Jahren den Dominikanerinnen zu Veszprem übergeben. Später ließ ihr Vater für sie ein Kloster auf der Haseninsel in Buda (heute Teil der ungarischen Hauptstadt Budapest) erbauen.


Margits Entscheidung für das Klosterleben wurde also nicht von ihr, sondern von ihren Eltern getroffen. Margit war offensichtlich folgsam und fügte sich. Da sie bei den Dominikanerinnen erzogen worden war, hatte sie vermutlich ohnehin kein anderes Leben gekannt. Was in Margit vorgegangen ist, wissen wir zwar nicht, aber ihr weiteres Verhalten zeigt, dass ihr das Leben im Kloster zumindest zusagt haben muss. Denn als sich tatsächlich für sie die Möglichkeit bot, um das Klosterleben aufzugeben, leistete sie Widerstand, und hatte damit Erfolg. Nachdem ihr Vater sie doch verheiraten wollte und sich dazu eine päpstliche Erlaubnis verschafft hatte, die ihm einiges gekostet haben wird, scheiterten mehrere Eheanbahnungen daran, dass Margit jeden Heiratsantrag zurückwies. Papst und König bissen sich an ihr die Zähne aus.


Angeblich wollte Margit lieber als Nonne die Gräueltaten der Kriege ihrer Heimat sühnen, und sie soll sich auf ihre Tante Elisabeth berufen haben. Diese war auch ihr Vorbild, denn sie hätte als Tochter eines herrschenden Königs als Nonne sicher auch ein wesentlich privilegierteres Leben führen können. Falls dies bei den Dominikanerinnen nicht möglich gewesen wäre, wäre der Wechsel in einen anderen Orden sicher machbar gewesen. Margit hätte sich aufgrund ihrer Herkunft zudem für die gehobenere Position einer Priorin oder Äbtissin empfohlen.


Stattdessen verzichtete Margit auf irgendwelche Vorrechte, und für sich selbst auf jeden weltlichen Besitz. Sie soll nur ganz schlichte Gewänder getragen haben, legte sich als Nonne schwere Buß- und Fastenübungen auf, pflegte Kranke, verrichtete niedrigste Arbeiten und diente liebevoll ihren Mitschwestern und den Armen. Allerdings starb sie bereits mit ca. 28 Jahren. Ihr Lebensstil dürfte für ihre Gesundheit nicht gut gewesen sein. Das Leben, das sie führte, war sicher nicht ein Leben, für das ich mich selbst begeistern könnte, aber offensichtlich wollte sie es selbst. Das verdient zumindest Respekt,


Bereits zu Lebzeiten galt Margit als Heilige, es dauerte jedoch noch über 5 Jahrhunderte, bis sie offiziell seliggesprochen wurde und dann noch etwa 150 Jahre, ehe die Heiligsprechung folgte. Dass sie am 19. November, also am Gedenktag der Heiligen Elisabeth, heiliggesprochen wurde, ist sicher kein Zufall. Von dem Kloster, in dem sie lebte und wirkte, sind heute nur mehr Ruinen geblieben. Die Haseninsel aber ist heute die bekannteste und beliebteste Donauinsel in Budapest, und hat heute den Namen Margareteninsel.


Quellen und Literatur

  • Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 28


  • Joachim Schäfer: Artikel Genoveva von Paris. In: Ökumenisches Heiligenlexikon, Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Margareta_von_Ungarn.html, abgerufen am 1. Jänner 2026

  • Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Margareta_von_Ungarn, abgerufen am 1. Jänner 2026


Anmerkung

Seit 1102 standen das ungarische und das kroatische Königreich unter gemeinsamer Herrschaft, waren "de jure" aber von einander unabhängige Staaten.


Kommentare


bottom of page