Die erste Benediktinerin? - Wer war Scholastika von Nursia?
- Die Querleserin

- 10. Feb.
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Scholastika von Nursia (um 480, Nursia / heute Norcia, Italien - um 542 beim Kloster Montecassino / heute Italien), Ordensgründerin, Benediktinerin; als Heilige bzw. Selige verehrt; Gedenktag: 10. Februar
Scholastika von Nursia wird gewöhnlich in der Ikonographie als Nonne oder Äbtissin dargestellt. Ihre Attribute sind die Taube und das Buch. Sie ist eine Schutzpatronin für Ordensangehörige und gilt als Wetterheilige, die vor Sturm und Blitzschlag schützt und um Regen gebeten wird. In dem Kloster, das ihr bekannter Bruder auf ihren Wunsch hin für sie errichtete, lebte sie nach der von ihm verfassten Ordensregel, weswegen sie als erste Benediktinerin gilt. Es wäre natürlich interessant zu wissen, ob sie nicht bei der Schaffung seiner Regeln ein wenig mitgewirkt haben könnte. An ihrer Existenz wird nicht gezweifelt, allerdings ist die einzige Quelle zu ihr die "Vita des Heiligen Benedikts" im zweiten Buch der "Dialoge" von Gregor "dem Großen" (gest. 604).
Nach dieser war Scholastika die Schwester des Heiligen Benedikts von Nursia (gest. 547). Die Geschwister, die vermutlich Zwillinge war und sich offensichtlich sehr zugetan waren, entschieden sich trotz ihrer vornehmen Herkunft für ein klösterliches Leben. Nachdem Benedikt das Kloster auf dem Monte Cassino gegründet hatte, ließ er für seine Schwester, die zuvor bereits in mehreren Klöstern gelebt hatte, auf ihren Wunsch hin, ein eigenes kleines Kloster in der Nähe erbauen. Dort verbrachte Scholastika den Rest ihres Lebens. Da ihr als Frau das Betreten eines Männerklosters nicht erlaubt war, trafen sie und Benedikt sich einmal jährlich in einem Gutshaus am Fuß des Monte Cassino. Offensichtlich ging es beiden dabei nicht nur um ein Familientreffen, sondern sie führten miteinander Gespräche und tauschten sich gegenseitig aus. An einem 6. Februar um das Jahr 542 saßen beide beim gemeinsamen Abendessen, als Scholastika, die ihren bevorstehenden Tod ahnte, ihren Bruder bat, bei ihr zu bleiben und das Gespräch mit ihr fortzusetzen, Er lehnte jedoch ab, weil seine Ordensregel eine Übernachtung außerhalb des Klosters verbot. Daraufhin bat Scholastika Gott, er möge ein Unwetter schicken, dass es ihrem Bruder unmöglich machen sollte, noch an diesem Tag in sein Kloster zurückzukehren. Jetzt wissen wir, warum sie die Schutzheilige für Regen und Gewitter wurde.
Gott hatte offensichtlich Verständnis für sie und ließ ihren Wunsch in Erfüllung gehen. Noch während sie betete, verfinsterte sich der zuvor natürlich noch wolkenlose Himmel. Es begann zu schütten, und es gab ein Unwetter, das den Aufbruch für Benedikt und seinen Begleitern unmöglich machte. Benedikt soll seine Schwester dafür getadelt haben, dass sie wegen so etwas Gott bemüht hatte. Sie aber meinte nur, dass Gott mehr Verständnis da gehabt hätte, als er.
Drei Tage nach der Begegnung starb Scholastika. Angeblich erfuhr Benedikt von ihrem Tod, als er sah, wie ihre Seele als Taube in den Himmel aufstieg. Als das Kloster Montecassino 1944 bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört wurde, wurde während des Wideraufbaus unter dem Hochaltar ein Doppelgrab entdeckt. Inzwischen hat sich in der Forschung die sehr glaubwürdige Ansicht durchgesetzt, dass es sich um das Grab des Heiligen Benedikt und seiner Schwester handelt. Wenn auch im Leben meistens getrennt, so im Tod vereint - Eine Bestätigung für die enge Verbundenheit der Geschwister?
Quellen und Literatur
Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstil. Mit 365 Heiligen durchs Jahr. Wiener Dom Verlag, Wien, 2020. ISBN 978-3-85351-294-4. S. 51
Joachim Schäfer: Artikel Scholastika. In: Ökumenisches Heiligenlexikon, Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienS/Scholastika.htm, abgerufen am 5. Februar 2026
Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastika_von_Nursia, abgerufen am 5. Februar 2026

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