Leben einer Witwe - Wer war Marcella von Rom?
- Die Querleserin

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Marcella von Rom (um 328/330 - 410 oder 411, Rom / heute Italien), Witwe, Asketin, Märtyrerin; als Heilige bzw. Selige verehrt; Gedenktag: 31. Jänner
Marcella wird in der Bildnerischen Kunst gewöhnlich als vornehme Römerin oder als Nonne dargestellt, oft beim Unterrichten von Mädchen. Ihre Attribute sind das Kruzifix und die Heilige Schrift.
Marcella von Rom, die als gebildet und geistreich galt, entstammte dem römischen Stadtadel, väterlicherseits aus der Familie der Marcelli, mütterlicherseits aus der Familie der Ceionii Rufii. Ihre Mutter Albina galt als erste Christin, die dem römischen Stadtadel entstammte. Der Bruder der Mutter war vermutlich Gaius Ceionius Rufius Volusianus Lampadius, der Heide und 365 der Stadtpräfekt von Rom war. Er gehörte zu einer Gruppe von Senatoren, welche die Instandsetzung der heidnischen Tempel und die Wiederaufnahme ihrer Kulte förderten.
Verheiratet war Marcella mit einem Mann, der vielleicht wesentlich älter als sie war. Ihre Schülerin Principia (gest. um 420), dürfte seine Tochter aus einer früheren Ehe gewesen sein und war somit wohl ihre Stieftochter.
Nach kurzer Ehe zur Witwe geworden, beschloss Marcella nicht wieder zu heiraten und wies mehrere Heiratsangebote zurück. Dabei gelang es ihr erfolgreich, sich in einer relativ unabhängigen Position zu halten. Sie hatte gute Beziehungen zu den jeweiligen Päpsten ihrer Zeit, führte trotz Askese ein einigermaßen standesgemäßes Leben und verfügte über Einfluss auf die herrschenden Kreise. Materielle Gründe für eine weitere Ehe, wie sich mit Hilfe von dieser zu versorgen, dürfte sie nicht gehabt haben. Von ihrem frühverstorbenen Vater hatte sie einen Palast auf dem Aventin geerbt, wo sie ihren Wohnsitz hatte. Außerdem besaß sie mehrere im Umfeld der Stadt Rom gelegenen Landgüter. Sie führte eine eher geselliges Leben, traf sich regelmäßig mit anderen frommen Frauen, mit denen sie die Heiligen Schriften studierte und über Probleme des Glaubens und der Kultur diskutierte. Gemeinsam mit diesen Freundinnen setzte sie Werke der Nächstenliebe. Zu diesen Frauen gehörten außer ihrer Mutter Albina und ihrer Schülerin Principia (gest. um 420) auch die Witwen Lea (gest. um 384) und Paula (gest. um 404) sowie die geweihten Jungfrauen Sofronia von Rom (gest. ?) und Marcellina von Mailand (gest. um 399).
Um 345 hatte Marcella Athanasius "den Großen" (gest. um 373) kennen gelernt, damals der Patriarch von Alexandria, der nach Rom verbannt worden war. Durch ihn dürfte sie erstmals von den Mönchssiedlungen im Oströmischen Teil des Reiches erfahren haben.
382 kam der Heilige Hieronymus (gest. vermutlich um 420) nach Rom und nahm großen Einfluss auf die Frauengruppe um Marcella, mit der er selbst engeren Kontakt hatte. Hieronymus war zu dieser Zeit Sekretar des Bischofs Damasus I. von Rom (gest. 384, Bischof von Rom 366-384). Nach dessen Tod hatte er gehofft, zu dessen Nachfolger als Bischof gewählt zu werden, was aber nicht geschah. Stattdessen wurde er von verschiedenen Seiten angefeindet. Nachdem eine seiner Schülerinnen, die junge Witwe Blaesilla (gest. um 384), überraschend gestorben war, mussten er sich mit Vorwürfen befassen, nach denen er für diesen Todesfall verantwortlich war. Um 385 verließ er Rom für immer und kehrte in den Nahen Osten zurück, wo er sich nach einigen Pilgerreisen in Bethlehem niederließ. Paula von Rom, die der Frauengruppe um Marcella angehörte und die Mutter von Blaesilla war, folgte Hieronymus gemeinsam mit ihrer Tochter Eustochia (gest. um 420) dorthin. Auch nach seiner Abreise brachen die Kontakte zwischen Marcella und Hieronymus nicht ab. Beide führten einen regen Briefwechsel. Berühmt wurde sein tröstlicher und berührender Brief, der Hieronymus an Principia nach Marcellas Tod schrieb.
Marcella erreichte ein hohes Alter von etwa 80 Jahren, doch ein ruhiger Lebensabend war ihr nicht beschieden. Als der Westgotenkönig Alarich (gest. 410) die Stadt Rom im Jahr 410 nach längerer Belagerung einnahm, fiel Marcella seiner Soldateska in die Hände und wurde schwer misshandelt und verletzt, ehe sie sich mit ihrer Schülerin Principia in die nahegelegene Basilika San Paolo retten konnte. (Nach einer Überlieferung sollen es Westgoten gewesen sein, die ihr letztlich zu Hilfe kamen.) Einige Monate später erlag Marcella ihren Verletzungen.
Heute erinnert an Marcella eine moderne Kirche im Quartiere Ostiense von Rom: die Kirche Santa Marcella, die Ende der 1960er-Jahre erbaut wurde. Im Apsisfenster ist Marcella mit einem Palmzweig, dem Symbol der Märtyrerinnen und Märtyrer, dargestellt.
Quellen und Literatur
Erhard Gorys (Hrsg.): Lexikon der Heiligen. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1997. ISBN 3-423-32507-0, S. 203
Artikel bei Wikipedia, Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Marcella_von_R, abgerufen am 23. Jänner 2026
Joachim Schäfer: Artikel Lea von Rom. In: Ökumenisches Heiligenlexikon online; Link: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Marcella.htm, abgerufen am 23. Jänner 2026

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